Anlegen: Passiv statt aktiv

Passiv soll besser sein als aktiv? Das widerstrebt uns, haben wir doch schon in der Schule gelernt, dass wir uns anstrengen müssen, um etwas zu erreichen. Sind nicht die Medien voll mit Geschichten über tatkräftige Helden? Und bedeutet erfolgreiches Anlegen nicht, stets informiert zu sein, auf Nachrichten zu reagieren und Trends geschickt auszunutzen?

In der Serie „Game Changer“ stelle ich je eine Idee vor, mit der Sie als Anleger die Qualität Ihrer Finanzentscheidungen verbessern können. Es sind kleine Ideen mit großer Wirkung.

Das Narrativ des aktiven Fondsmanagers

„Der Fonds hat fünf Sterne, das steht für die Qualität. Auf den Fondsmanager kommt es an. Entscheidend ist seine Erfahrung und sein Geschick, Marktentwicklungen zu antizipieren. Er kann flexibel auf Marktveränderungen reagieren, das ist besonders wichtig, wenn die Märkte einbrechen.“ So oder ähnlich erzählen Finanzberater täglich die Geschichte vom aktiven Fondsmanager. Je öfter wir etwas hören, je glaubhafter erscheint es. Selbst derjenige, der die Geschichte erzählt, glaubt umso fester daran, je öfter er sie erzählt.

Doch stimmt sie auch? Wissenschaftliche Studien widerlegen den Mythos. S&P Global untersucht seit 2002 die Performance Europäischer Aktienfonds und veröffentlicht jedes Jahr die „SPIVA Europe Scorecard“ die beweist: Aktive Manger schlagen den Markt nicht.

 

Aktive Fondsmanager halten nicht, was sie versprechen – sie schlagen den Markt nicht. Klick um zu Tweeten

85 % aller Fondsmanager schlagen ihre Benchmark nicht

Die Prozentzahlen variieren, je nach untersuchtem Zeitraum. Doch die Kernaussage bleibt. Kaum einem Fondsmanager gelingt es, seine Benchmark (einen Index) zu schlagen. Je länger die Zeiträume, je weniger schaffen es. Und das hat drei Gründe:

  1. Wertpapiermärkte sind effizient. Neue Nachrichten verbreiten sich im Internet in Sekundenschnelle und schlagen sich sofort im Kurs nieder. In welche Richtung ist oft genug unvorhersehbar, da das nicht nur von den Fakten, sondern auch davon abhängt, was Marktteilnehmer erwarten.

„Die zentrale Aussage der denkbar umfassenden Literatur zur Kapitalmarkteffizienz lautet, dass es nahezu unmöglich ist, Überrenditen zu erzielen, wenn man nur auf öffentlich zugängliche Informationen zurückgreift.“ Lawrence Summer

  1. Hohe Aktivität erhöht die Fehleranfälligkeit. Viele Entscheidungen bedeuten viele potentielle Fehlerquellen. Fehler können sich verstärken.
  2. Während der Erfolg von Aktivität ungewiss ist, sind die Kosten gewiss. Aktive Fondsmanager produzieren Zusatzkosten, jede Transaktion kostet Geld. Geld, das sie dem Fondsvolumen entnehmen und das die Rendite der Anleger schmälert.

Niemand kann die Zukunft vorhersehen. Was in nächster Zeit an Wertpapiermärkten geschieht unterliegt dem Zufall. Es lässt sich nicht vorhersagen. Besser ist es, auf Prognosen ganz zu verzichten.

Und sollten Sie dies nicht wahrhaben wollen, so seien Sie wenigstens nicht naiv. Oder glauben Sie wirklich, dass jemand, der in der Lage ist Börsenkurse vorherzusagen, als Fondsmanager für Kleinanleger arbeitet?

 

Starmanager werden vom Marketing erfunden

Wenn 85 % der Fondsmanager versagen, gibt es im Umkehrschluss 15 % Fondsmanager, die ihre Benchmark schlagen. Die Idee liegt nahe, sich auf diese zu konzentrieren. Doch die Favoriten wechseln ständig und ohne System, was dafürspricht, dass der Zufall Regie führt.

Viele Transaktionen erhöhen die Kosten. Hohe Kosten fressen die Rendite von aktiven Investmentfonds. Klick um zu Tweeten

Starmanager werden medial bewusst aufgebaut. Es sind immer Teams, die Fonds managen. Fondsgesellschaften bringen laufend neue Fonds raus. Nur wenige performen, das wird dann werbemäßig ausgeschlachtet. Ein Drittel aller Fonds wird wieder geschlossen. Während Kapitalanlagegesellschaften neue Fonds mit viel Tam Tam ankündigen, versuchen sie erfolglose Fonds möglichst geräuschlos zu schließen.

TIPP: Hüten Sie sich vor Fondsratings und Sternen. Diese legen als Kriterium die Performance der letzten fünf Jahre zugrunde. Diese stellt keine Garantie für die Zukunft dar. Enttäuschungen sind vorprogrammiert, wie dieser Artikel zeigt.

 

Eine einfache Lösung, Flops zu vermeiden

Es gleicht einem Glücksspiel, den Markt mit aktiven Fonds schlagen zu wollen. Wer die Marktrendite erzielt, gehört zu den besten Anlegern. Und das ist gar nicht so schwer.

Wer die Marktrendite will, muss den Markt kaufen. Klick um zu Tweeten

Passive Fonds haben das Ziel, einen Index nachzubilden und dem Kunden die Performance zu bringen, die der Index hat. Ein Index ist ein Gedankenkonstrukt, das Sie nicht direkt kaufen. Sie brauchen ein Vehikel wie einen Investmentfonds. Investiert der Investmentfonds in die gleichen Werte wie der Index und mit derselben Gewichtung, so bildet er ihn nach. So funktioniert „Passives Investieren“, auch „Indexing“ genannt. Nutzen Sie Exchange Trading Funds (ETF) – sie bilden kostengünstig marktbreite Indices nach.

Den Markt zu schlagen ist eine Kunst. Den Markt abzubilden ein Handwerk. Klick um zu Tweeten

Das Ergebnis ist verblüffend: Die Anleger, die unbedingt den Markt schlagen wollen, scheitern und werden von den Anlegern überholt, die sich mit der Marktrendite begnügen.

 

Faktor Kosten

Die Kosten unterscheiden sich gravierend. Während aktive Aktienfonds im Schnitt laufende Kosten von 3,5% p.a. aufweisen, liegen passive Fonds (ETFs) bei 0-0,5 % (laut Marc Ortmann im Buch „Kostenvergleich von Altersvorsorgeprodukten“). Das erklärt zwei Phänomene:

  1. Warum aktive Fonds auf Dauer schlechter abschneiden als passive Fonds.
  2. Warum Finanzberater trotzdem weiter aktive Fonds verkaufen.

Denn die Kosten der Anleger sind die Erträge der Verkäufer. Außerdem lassen sich die Geschichten rund um das aktive Investieren bestens verkaufen und so die Aufmerksamkeit von der schlechten Gesamtbilanz weglenken.

“Indexing ist langweilig, keine Frage. Es ist, als wenn man die eigene Schwester küsst. Oder Farbe beim Trocknen zuschaut.” Gerd Kommer

 

Einfach, aber nicht leicht

Das Prinzip ist einfach, es umzusetzen nicht leicht. Ähnlich wie Abnehmen oder einen Baum pflanzen. Die Grundprinzipien sind nicht schwer, die Herausforderung liegt darin durchzuhalten und geduldig zu sein. In der Gruppe mit anderen oder mit einem Personal Coach geht es deutlich leichter.

Der Anleger sollte nicht in Panik geraten. Börsen gleichen einer Achterbahn, wenn der Wagen nach unten saust, wird es unheimlich. Wer jetzt aus dem Wagen springt, nimmt ernsthaft Schaden. Indem er die Aktienquote reduziert kann jeder Anleger die Schwankungsintensität seiner Anlage steuern und an seine finanzielle Risikobereitschaft anpassen.

Ist die Anlage zu langweilig droht ebenso Gefahr. Wer sich langweilt neigt dazu, die Pferde zu wechseln. Schnell wird wieder taktiert, statt eine Strategie nachhaltig umzusetzen. Passives Investieren ist kein Spaziergang, Durchzuhalten erfordert Disziplin und ist anstrengend.

 

Handwerker statt Künstler

Zum Schluss möchte ich noch eine weitverbreitete Falschinformation ausräumen. Selbst von Finanzberatern höre ich immer wieder, dass aktive Fonds deshalb so teuer sind, weil sie Fondsmanager haben, während passive Fonds keinen Fondsmanager brauchen. Das ist Unsinn. Einen Index nachzubilden ist eine anspruchsvolle Arbeit. Das Fondsmanagement muss Veränderungen im Index (veränderte Zusammensetzung, Ausschüttungen und Wiederanlage) nachvollziehen. Gefragt ist solides Handwerk, gilt es doch die Abweichung vom Index (Tracking Error) möglichst niedrig zu halten. Diese soliden Handwerker arbeiten im Stillen, während die Künstler des aktiven Managements sich bewusst vermarkten.

 

 

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Literatur zum Thema:
    Der Insider Charles D. ELLIS hat in >>Winning the Looser’s Game. Timeless Strategies for Successful investing<< aufgezeigt, dass bei Betrachtung
    * eines Jahres 30% der aktiven Fondsmanager besser als der Markt (entspricht paasivem Indexfond) abschneiden, bei
    * 10 Jahren sind es 25%, bei
    * 25 Jahren 10% und bei
    * 50 Jahren 5%.
    Finde ich überzeugend.

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