Frühjahrsputz-Aktion: Erstellen Sie Ihre Vermögensbilanz

Kennen Sie Ihr Vermögen? Vielen fällt die Antwort auf diese Frage erstaunlich schwer. Doch wer nicht weiß, wo er steht, dem fehlt Orientierung. Daher gehört zum Frühjahrsputz die Inventur. Wir erstellen eine Vermögensbilanz.

Weiter geht’s beim Frühjahrsputz für Ihre Finanzen. Nach Konto und Verfügungen, widmen wir uns heute dem Vermögen.

Die klassische Vermögensaufstellung

Es handelt sich um eine Inventur aller Vermögenswerte und Verbindlichkeiten. Listen Sie zunächst alle Ihre Vermögenswerte auf. Also alles, was Sie besitzen. Es klingt einfach und ist es auch – im Prinzip. Der Teufel steckt im Detail, insbesondere in der Bewertung, also der Frage: Was ist mein Vermögensgegenstand heute wert?

Wichtig ist ein Bewertungs-Stichtag. Es handelt sich um einen Status. Einige Vermögensgegenstände verändern rasch Ihren Wert. Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden, haben stark schwankende Preise. Ein Auto verliert mit dem ersten gefahrenen Kilometer stark an Wert. Bei anderen Vermögensgegenständen erweist es sich als schwierig einen aktuellen Wert zu ermitteln. Bei Immobilien oder Beteiligungen erfolgt dies durch Bewertung. Dazu sind mitunter Gutachten von Sachverständigen erforderlich.

 

Wozu brauchen Sie eine Vermögensbilanz?

Eine Vermögensbilanz ist eine Momentaufnahme. Wozu brauchen Sie das?

  • Um sich einen Überblick zu verschaffen.
  • Um zu messen, ob Ihr Vermögen zu- oder abnimmt und wie stark.
  • Für rechtliche Vorgänge wie
    • Erbauseinandersetzung (Vermögen zum Todestag) oder Schenkungen
    • Scheidung (Anfangsvermögen, Zugewinn)
  • Für das Finanzamt, das eine Bemessungsgrundlage braucht, um die Steuer zu berechnen:
    • Vermögenssteuer (in Deutschland aktuell nicht erhoben)
    • Erb- und Schenkungssteuer
Wer sich einen Überblick über sein Vermögen verschaffen möchte, braucht eine Vermögens-Bilanz. Klick um zu Tweeten

 

Im Rahmen unserer Frühjahrsputzaktion geht es uns lediglich darum, dass Sie sich einen Überblick verschaffen. Das ist weit weniger kompliziert, als rechtliche oder steuerliche Fragen. Deshalb begnügen wir uns auch immer da, wo ein hoher Aufwand nötig wäre, den Wert zu ermitteln, damit zu schätzen. Das gilt für den Wert Ihrer selbstgenutzten Immobilie. Solange Sie nicht planen, diese zu verkaufen oder verschenken, lohnt der Aufwand einer Bewertung nicht.

Wie stark Ihr Vermögen zu- oder abnimmt ermitteln Sie indem Sie Ihr Vermögen in Euro zu verschiedenen Terminen vergleichen. Die wichtigste Grundregel ist das Prinzip der konsistenten Messung. Einfach gesagt: Gehen Sie immer gleich vor:

  • gleiche Währung
  • gleicher Stichtag
  • gleiche Informationsquelle
  • gleiche Berechnungsmethode

Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, können Sie bei den einzelnen Vermögenswerten so vorgehen:

 

Vermögensgegenstände (Assets)

Bargeld:

  • Zählen

Kontoguthaben, Bausparverträge:

  • Kontoauszüge

Lebens- und Rentenversicherungen:

  • Rückkaufswerte (jährliche Standmitteilung)

Wertpapiere:

  • Depotauszüge (Kurswerte)

Beteiligungen und geschlossene Fonds:

  • Nominalwert oder Null (keine Börsenkurse)

Immobilien:

  • Schätzung
  • Bei vermieteten Immobilien ggf. Makler fragen w/kostenlos

Goldbarren oder Münzen:

Autos:

Oldtimer, Schmuck, Kunstgegenstände:

  • Null

Ich empfehle Ihnen, zum Zweck der ersten Übersicht, einige Werte mit Null anzusetzen. Das entspricht dem Vorsichtsprinzip. Sollten Sie dort einen Wert einsetzen, informieren Sie sich bitte sorgfältig, ob er realistisch ist. Wenn es Ihnen wichtig ist, den Wert eines Assets genauer zu bestimmen, sollten Sie sachverständigen Rat einholen.

 

Sind Autos und die eigengenutzte Immobilie Vermögenswerte?

Vielleicht kommt Ihnen diese Frage seltsam vor. Sie entspringt einer anderen Sichtweise, als üblich. Robert T. Kiyosaki ist ein sehr erfolgreicher Unternehmer und Bestsellerautor. Mit „Rich Dad, Poor Dad“ hat er ein Buch darübergeschrieben, was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen. Er blickt auf Geld und Vermögen aus der Perspektive eines Unternehmers. Seine Regel Nr. 1 lautet:

„Man muss den Unterschied zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten kennen und Vermögenswerte kaufen.“

Er behauptet, dies sei die einzige Regel, die es braucht, um reich zu werden.

„Reiche Menschen erwerben Vermögenswerte. Die Armen und die Angehörigen der Mittelschicht schaffen Verbindlichkeiten an, aber denken, dass es sich um Vermögenswerte handelt.“

Doch was ist seine Definition für Vermögenswerte?

„Ein Vermögenswert füllt mir meine Taschen mit Geld. Eine Verbindlichkeit zieht mir Geld aus der Tasche.“

Kiyosaki betrachtet Geld nicht statisch, sondern dynamisch. Es geht ihm darum, wohin das Geld fließt. Er betrachtet Autos und selbstgenutzte Immobilien vor allem als Konsumgüter. Sie geben uns das Gefühl vermögend zu sein, ziehen uns jedoch in erheblichem Maße Geld aus der Tasche.

  • Autos verlieren in den ersten Jahren drastisch an Wert und verursachen erhebliche Nebenkosten (Sprit, Inspektion, Reparaturen, Steuern, Versicherungen).
  • Selbstgenutzte Immobilien werden meist kreditfinanziert. Wer über 30-40 Jahre einen Immobilienkredit abzahlt, der zahlt nicht selten an Zinsen ebenso viel wie für das Haus. Hinzu kommen Nebenkosten, Steuern und regelmäßige Instandhaltung. Neben dem finanziellen Aufwand, ein nicht unerheblicher Zeit- und Arbeitsaufwand.

Natürlich weiß ich, dass Immobilien hohe Wertzuwächse haben (längst nicht immer und überall, z.B. in strukturschwachen Gegenden). Dass Häuslebauer mit Kredit besonders motiviert sind, Ihre Schulden schnell abzuzahlen, ist mir ebenfalls bekannt. Dennoch erscheint es mir eine interessante Perspektive, die Kiyosaki da einnimmt. Die Frage wohin Geld fließt (Cash Flow) ist wichtig.

In Deutschland machen wir unsere Einschätzung, ob jemand vermögend ist, an Statussymbolen fest. Wer sichtbar mehrere Immobilien besitzt oder dicke Autos fährt, den halten wir für reich. Und das ohne seine Kontoauszüge zu kennen. Große Limousinen und SUVs sind meist finanziert, ebenso Immobilien. Erst eine Vermögensbilanz wo Assets und Verbindlichkeiten gegenüber stehen zeigt die wahre Situation.

Wer Vermögen bilden will braucht einen positiven Cash-Flow Klick um zu Tweeten

 

Die Vermögensbilanz

Wie auch immer Sie sich entscheiden, wie Sie Ihre Vermögenswerte bewerten, vergessen Sie nicht, die Verbindlichkeiten gegenzurechnen. Deren Wert festzustellen ist recht einfach, ein Blick in die Kontoauszüge genügt.

Wir ermitteln das Netto-Vermögen indem wir die Verbindlichkeiten vom Vermögen abziehen.  Üblicherweise dargestellt in einer Bilanz in Form eines T-Kontos:

 

Mit dieser recht statischen Form der Vermögensbilanz arbeiten die meisten Finanzberater. In den nächsten Beiträgen schauen wir aus der Perspektive eines Finanzplaners und aus Sicht eines Finanz-Coaches auf Ihr Vermögen. Sie werden womöglich staunen, was alles zu Ihrem wahren Vermögen gehört und was Sie damit vermögen.

Wer diese Beiträge nicht verpassen möchte, kann meinen Blog abonnieren und erhält zusätzlich gratis mein E-Book „Das Geheimnis erfolgreicher Entscheidungen“.

 

Wer hat den Überblick?

Wenn Sie Ihre Vermögensbilanz erstellen, werden Sie – ganz nebenbei – eine wichtige Erfahrung machen.

  • Wie leicht ist es Ihnen gefallen, alle Daten zusammenzutragen?
  • Haben Sie alle Daten verfügbar?
  • Wie aufwändig war es, die Daten zusammenzutragen?
  • Gibt es jemanden, der den Überblick hat? Sind das Sie, Ihr Partner, ein Finanzberater oder Ihr Steuerberater?
  • Oder gibt es niemanden? Vielleicht sogar bewusst, weil Sie nicht möchten, dass Ihre Bank oder Ihr Partner alles weiß?

Nutzen Sie die Chance, darüber nachzudenken, wer den Überblick haben sollte und ob Sie nicht zu viele Berater, Bankverbindungen und Finanzprodukte haben? Es ist eine Abwägung und bleibt Ihre Entscheidung. Treffen Sie sie bewusst.

 

Welche Gedanken und Gefühle löst der Blick auf Ihre Vermögensbilanz aus? Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

 

 

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.