Warum Mischfonds enttäuschen

Mischfonds sind Verkaufsschlager. 125 Milliarden Euro sind allein in den letzten fünf Jahren in Deutschland in Mischfonds geflossen, mehr als in jede andere Fondskategorie. Ist die Hoffnung berechtigt, die Anleger in Mischfonds hegen? Oder ist die Enttäuschung vorprogrammiert? Heute schauen wir, für wen Mischfonds geeignet sind und welche Alternative es dazu gibt.

 

Erste Mittelabflüsse nach enttäuschender Performance 2018

Erste Mischfonds verzeichneten hohe Mittelabflüsse wie Morningstar berichtet. Anleger zogen damit die Konsequenz aus einer enttäuschenden Performance im vergangenen Jahr. Sämtliche Mischfondskategorien landeten im Minus (-4,7 bis -12 % je nach Schwerpunkt). Ein Ergebnis, das nicht verwundert lagen doch im letzten Jahr sowohl Aktien, wie auch Renten und viele andere Anlageklassen im Minus. Einige Anleger hatten wohl gehofft, dass Mischfonds sie vor Verlusten bewahren.

 

Was sind Mischfonds?

Mischfonds sind Anlagevehikel. Fonds sind Verpackungen. Entscheidend ist, was drin ist. Klick um zu Tweeten

Mischfonds sind Investmentfonds, die verschiedene Anlageklassen wie Renten (Anleihen), Aktien, Geldmarkt und manchmal auch Rohstoffe mischen. Investmentfonds zeichnen sich aus durch:

  • Prinzip der Risikostreuung
  • Kleine Stückelung – somit für jeden Geldbeutel
  • Einfaches Grundprinzip: Gemeinsamer Topf zur Anlage
  • Einfache Handhabung im Vergleich zur Direktanlage in Einzelwerte
  • Flexible Handhabung: Einmalanlage, Sparplan oder Entnahmeplan möglich
  • Hoher rechtlicher Anlegerschutz: Die Anlagen des Fonds sind als „Sondervermögen“ vor dem Zugriff bei Insolvenz des Verwalters oder der Bank geschützt.

 

Investmentfonds sind die bevorzugten Anlagevehikel für Privatanleger. Die wichtigsten Fondskategorien sind:

  • Aktienfonds
  • Rentenfonds
  • Geldmarktfonds
  • Immobilienfonds
  • Themenfonds
  • Mischfonds
  • ETFs

 

Doch warum bevorzugen Anleger seit einigen Jahren die Mischfonds?

Was versprechen die Mischfonds?

Die Union Investment erklärt Mischfonds im VIDEO.

Schauen wir uns die Argumente der Anbieter einmal an. Exemplarisch einige Zitate von DWS, Union und Deka:

 

DWS:

 „Mischfonds sind sehr flexibel und wandlungsfähig. Sie können sich theoretisch auf jede Börsensituation perfekt einstellen.“

Die Betonung liegt auf „theoretisch“. Zahlreiche Studien belegen empirisch, dass Fondsmanager langfristig nicht besser abschneiden als ihr korrekt gewählter Vergleichsindex. Was theoretisch möglich ist, klappt praktisch höchst selten.

 

„Dank ihrer breiten Streuung und ihres meist ausgefeilten Risikomanagements weisen Mischfonds in der Regel geringere Schwankungen auf als reine Aktienfonds.“

Die Kurse von Anleihen (Renten) schwanken erheblich weniger als die von Aktien. Jede Mischung wird daher weniger schwanken als ein reiner Aktienfonds. Das ist nicht ausgefeilt, sondern banal.

 

Ein wesentlicher Aspekt eines Mischfonds ist ein aktives Risikomanagement.“

Aktives Risikomanagement, das auf Timing oder Selektion beruht, basiert auf Prognosen. Wenn ein Fondsmanager auf Kursentwicklungen reagiert, prognostiziert er in Wahrheit die Zukunft. Die Kursentwicklung (An- oder Abstieg) ist bereits passiert. Die Neupositionierung kann daran nichts ändern. Er positioniert sich so, dass er von einer erwarteten (prognostizierten) Kursentwicklung profitiert. Tritt diese nicht ein, wie erwartet, macht er Verlust.

Auch aktive Risikomanagement-Modelle wie „Value at risk“ basieren auf Vergangenheitsdaten und Zukunftsprognosen. Die Fehlsignale solcher Modelle haben in der Finanzkrise nicht unwesentlich zur Verschärfung der Probleme beigetragen.

 

Union:

„Als Anleger können Sie mit Mischfonds die Chancen unterschiedlicher Märkte in einem Fonds nutzen, ohne Experte sein zu müssen.“

Stimmt, wenn der Fondsmanager die richtigen Entscheidungen trifft. Was zu beweisen wäre.

 

„Fondsmanagement durch erfahrene Profis.“

Was nützen erfahrene Profis, wenn sie aus Fehlern nichts lernen?

 

Deka:

„Wahrnehmen von Renditechancen in unterschiedlichsten Marktphasen durch flexible Nutzung von Trends.“

Womit wir wieder bei der Prognosefähigkeit wären.

 

„Sehr unterschiedliche Chancen-/Risikoprofile abbildbar.“

Stimmt gerade nicht in Bezug auf den Anleger. Der Anleger hat ein bestimmtes Risikoprofil. Dazu passt es nicht, dass der Fonds ständig seine Zusammensetzung ändert. Mischfonds versuchen sich dem Markt anzupassen, aber gerade dadurch nicht dem Anleger.

 

Mischfonds versprechen eine bequeme Lösung bei der sich der Anleger nicht festlegen muss, sondern die richtige Positionierung am Markt und das Risikomanagement erfahrenen Fondsmanagern überlässt. Klingt gut. Ist es das auch?

 

Entscheidend ist, was drin ist

„Was für den Metzger die Wurst, sind für den Finanzdienstleister strukturierte Produkte.“ Prof. Hartmut Walz

Hartmut Walz, Autor des Buches „Genial einfach entscheiden in Geld- und Finanzfragen“, versteht es Themen mit Bildern auf den Punkt zu bringen. Er vergleicht Zertifikate und Mischfonds mit einer Wurstsuppe. Bei Fertiggerichten kann man sich auch nie sicher sein, was gerade drin ist.

Das Risiko einer Geldanlage sollte zur Situation des Anlegers passen und zu seiner finanziellen Risikobereitschaft. Klick um zu Tweeten

 

Mischfonds sind bequem

Entscheiden heißt Abschied nehmen, Abschied von allen anderen Möglichkeiten und potentiellen Chancen. Das fällt schwer, weshalb Anleger dazu neigen, Entscheidungen aufzuschieben.

Der Bank-Berater wiederum hat drei Probleme:

  • Spar-Einlagen sind nicht gern gesehen, da Banken bei der EZB 0,4% p.a. Strafzinsen darauf zahlen müssen.
  • Er soll Fonds verkaufen, die Provisionen bringen.
  • Bei Empfehlungen, die sich als falsch erweisen besteht die Gefahr, dass ihn der Kunde dafür verantwortlich macht.

Für beide Parteien ist es daher eine bequeme Lösung, sich nicht endgültig festzulegen, sondern die Festlegung der Asset-Allocation dem Fondsmanager eines Mischfonds zu überlassen. Der Berater kann ungeliebte Spar-Einlagen in Fondsguthaben umwandeln, auf das er eine saftige Provision verdient (Ausgabeaufschlag einmalig ca. 3 % + ein Teil der laufenden Provisionen von ca. 2 % p.a.).

Geht es schief, ist klar wer schuld war, der Fondsmanager. Doch während der Anleger den Verlust tragen muss, hat der Bankberater schon einen neuen Fonds im Petto, der es diesmal bestimmt besser machen wird 😉

Mischfonds sind bequem. Sie schieben die Verantwortung auf das Fondsmanagement, statt klare Empfehlungen zu geben, welche Asset-Allokation zum Anleger passt. Klick um zu Tweeten

 

Kunden- und Zielorientierte Geldanlage

Die Geldanlage muss zum Kunden passen. Es ist die wichtigste Aufgabe eines Anlageberaters, die Anlage auf Situation und Bedürfnisse des Kunden zuzuschneiden. Produkte wie Mischfonds lenken den Fokus auf den Markt und damit vom Anleger weg. Die Ziele und das Risikoprofil des Kunden bestimmen die Asset-Allokation. Die Entscheidung zu welchen Teilen Vermögen auf verschiedene Assetklassen verteilt wird bestimmt zu 80 % den Anlageerfolg.

Wissenschaftliche Forschung zeigt, dass es sinnvoller ist, die Asset-Allokation regelmäßig dem relativ stabilen Risikoprofil des Anlegers anzupassen, als den sich ständig verändernden Marktsituationen. Eine einmal getroffene Aufteilung wird sich im Zeitverlauf durch die unterschiedliche Entwicklung der Anlageklassen (Aktien : Renten) verschieben. Die ursprüngliche Relation wieder herzustellen bezeichnet man als Reallokation. Langfriststudien haben gezeigt, dass sich eine regelmäßige Reallokation positiv auf die Rendite auswirkt.

Es ist sinnvoller für jedes Ziel des Anlegers eine eigene Allokationsentscheidung zu treffen, als alles Geld in einen Topf zu werfen. Dafür steht das Konzept der Zielorientierten Geldanlage, das Professor Heri in diesem Video auf Fintool erläutert.

Mischfonds sind allenfalls für Anleger geeignet, die mit geringem Aufwand kleine Summen ansparen wollen. Besser fahren Anleger mit kostengünstigen ETFs, die marktbreite Indices abbilden. Wie wichtig es ist, zu wissen, was in Finanzprodukten drin ist, kann ich nicht oft genug betonen.

 

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