3 gute Gründe, passiv zu investieren

Passiv investieren, das klingt ungewohnt. Verkaufen uns nicht Banken, Finanzvertriebe und die Medien eine ganz andere Geschichte: Die vom aktiven Fondsmanger, der mit seinem Können unser Geld vermehrt. Doch zahlreiche Studien belegen, langfristig erfolgreicher ist, wer mit ruhiger Hand agiert und strategisch vorgeht. Wer als privater Anleger passiv investiert ist auf Dauer nicht nur erfolgreicher, er geht auch entspannter durchs Leben.

Was ist passives Investieren?

Der Begriff „passives Investieren“ beschreibt die Geldanlage in besonders günstige Indexfonds, die die Wertentwicklung eines bestimmten Marktindex nachbilden. Die Investition erfolgt in einen Mix aus verschiedenen Anlageklassen. Dabei stehen Aktien für chancenorientiertes Investieren und Renten (Anleihen) für sicherheitsorientiertes Geld Verleihen. Ggf. können Rohstoff- und/oder Immobilien-Fonds beigemischt werden. Gerd Kommer und Prof. Martin Weber haben hierzu mit sogenannten „Weltfortfolien“ Vorschläge gemacht.

Folgende Prinzipien sind zentral für die Strategie:

• Das Risikoprofil des Anlegers bestimmt aus welchen Anlageformen und in welcher Gewichtung sich sein Portfolio zusammensetzt (Asset Allokation)
• Nutzung kostenfreier Risikosenkung durch globale Diversifikation
Buy and Hold: Kaufen und Halten. Völliger Verzicht auf Market-Timing und Stock-Picking.
Rebalancing: Von Zeit zu Zeit wird nach Marktveränderungen die ursprüngliche Verteilung wiederhergestellt. So läßt sich das Risiko steuern.
Kosten reduzieren durch Einsatz von ETFs

Die Strategie ist geeignet für Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Vermögenserhalt. Der Anlagehorizont sollte mindestens zehn Jahre betragen.

 

Drei gute Gründe

1. Die Verlierer-Straße verlassen

Gerd Kommer, Experte für Langfristanalysen, hat die Renditen deutscher Fondsanleger in der Zeit von 1981-2010 (30 Jahre) untersucht. Er ermittelte eine Anleger-Rendite von 5,9 % p.a. gegenüber einer Markt-Rendite von 8,9 % p.a. im gleichen Zeitraum. Die Renditelücke betrug 2,6 % p.a. (Seite 45). Kennen Sie die Performance Ihres Depots?

 

Aktive Fonds halten nicht, was Sie versprechen

Dies ist durch zahlreiche Studien erforscht. Doch Finanzvertriebe empfehlen nahezu ausschließlich aktive Fonds. Sie rechtfertigen hohe Kosten mit aktivem Management und dem Versprechen, den Markt zu schlagen.

Für Privatanleger ist es unmöglich Fonds zu finden, die dauerhaft und zuverlässig (out-)performen. Die beliebten Sterne oder Rankinglisten sind Marketing der Fondsindustrie. Sie beruhen auf Daten der jüngeren Vergangenheit und sagen nichts über langfristige Erfolgsaussichten aus.

Der wichtigste Grund für die Under-Performance aktiver Fonds liegt in den hohen Kosten. Neben Ausgabeaufschlägen bis 5% und einer ausgewiesenen Gesamtkostenquote (TER) von bis zu über 2% jährlich, fallen Transaktionskosten in nicht unerheblicher Höhe an. Da sie im Vorhinein nicht feststehen sind sie in der TER nicht enthalten. Gerade klassische Fondsmanager, die sich über ihre Aktivität definieren verursachen durch häufiges Kaufen und Verkaufen einzelner Fondspositionen erhebliche Kosten. Alle diese Kosten reduzieren die Rendite des Anlegers.

Einen Teil der Kosten leisten Fonds als sogenannte Kick-Backs an die Finanzvertriebe weiter. Interessenkonflikte sind vorprogrammiert. Behält Ihr Finanzberater Kick-Backs ein oder schreibt er Ihnen diese gut? Oder geht es Ihnen wie vielen Anlegern, die dies gar nicht wissen?

Eine verblüffend einfache Lösung

Wer die Performance des Marktes verdienen möchte, muss in den Markt investieren. Passives Investieren. Klick um zu Tweeten

 

Kaufen Sie den Marktindex. Das ist über Exchange Traded Funds (ETFs) kostengünstig möglich. ETFs sind passive Fonds. Sie versuchen nicht die Marktrendite zu schlagen, sondern sie nachzubilden. Dieses gelingt ihnen nahezu. Die Kosten, die anfallen, um einen Index nachzubilden, betragen mit ca. 0,1 – 0,7 % nur ein Bruchteil der Kosten aktiver Fonds.

Der Clou: Wer auf den Index setzt ist sehr wahrscheinlich erfolgreicher als derjenige, der auf aktives Fondsmanagement setzt. Es klingt paradox: Wer sich mit der Durchschnittsrendite aller Aktien (Index) zufriedengibt, der schneidet als Anleger nach Kosten besser ab als derjenige, der auf aktive Fonds setzt. Wie beim Hasen und dem Igel.

 

2. Teure Fehler vermeiden

Wir Menschen sind nicht dafür geschaffen, Anlageentscheidungen zu treffen. Viele unserer Verhaltensweisen basieren auf Instinkten, die in der Steinzeit nützlich waren. Ein ganzer Zweig der Finanzwissenschaften, Behavioral Finance, hat typische Verhaltensfehler untersucht.

Fast alle Anleger neigen zur Overconfidence, einer übersteigerten Zuversicht. Sie betrifft nicht nur Profis und Trader, die ihre prognostischen Fähigkeiten überschätzen, sondern uns alle. So zeichnen sich Börsen durch schwankende Kurse aus. Blicken wir auf diese Kursschwankungen, erscheint es naheliegend, durch geschicktes Ein- und Aussteigen die Performance zu steigern. Dabei übersehen wir zwei Schwierigkeiten:
a) Was rückblickend einfach aussieht, ist vorausschauend nahezu unmöglich. Wir denken in Trends, doch das Leben und die Börse verlaufen nicht linear.
b) Wir unterschätzen was Trends mit unseren Emotionen macht. Bei Kursaufschwüngen neigen wir zu Euphorie und in Crashs zur Depression. Doch die Börse ist noch nie ununterbrochen gestiegen und gefallen, sie geht auf und ab.

Es gibt zahlreiche solcher Fallen, wo wir durch falsches Verhalten verlieren. Wer auf Ein- und Aussteigen (Market-Timing) und auf Rosinen-Picken (Stock-Picking) verzichtet vermeidet diese Fehlerquellen.

Kaufen und Halten von marktbreiten ETFs (passives Investieren) vermeidet Verhaltensfehler von Anlegern. Klick um zu Tweeten

 

3. Entspannt anlegen und sich auf das Leben konzentrieren

Wer eine strategisch vorgeht und nicht ständig auf der Jagd nach Out-Performance ist, der spart Zeit und Energie.

Weniger entscheiden müssen

Ein nicht zu unterschätzender Stressfaktor vieler Anleger ist das ständige entscheiden müssen. Wer keine Nachricht verpasst ist ständig gefordert zu entscheiden, was er mit der Information anfängt. Das stresst.

Wer passiv investiert hat eine Grundsatzentscheidung getroffen. Diese sollte auf einer eingehenden Analyse der eigenen Situation und Ziele beruhen. Die Strategie ist hervorragend für längerfristige Ziele geeignet. Ein Auf und Ab sowie zwischenzeitliche Schwächeperioden bis hin zu Crashs sind einkalkuliert. Durch entsprechende Mischung von chancenorientiertem Aktienteil und sicherheitsorientiertem Rententeil bzw. Cash wird das Portfolio an die persönliche Risikobereitschaft des Anlegers angepasst.

Eine Anpassung der Strategie wird nur dann notwendig, wenn sich Ihre Ziele oder Ihre Lebenssituation verändert. Sie können sich um die Dinge kümmern, die Ihnen wichtig sind (vermutlich ist das nicht die Börse).

Ständiges Entscheiden müssen stresst Anleger. Passives Investieren entlastet. Klick um zu Tweeten

Disziplin wird belohnt

Erfolgreich ist, wer eine Strategie hat und diese durchhält. Willensstärke zahlt sich aus.

 

Fazit

Passives Investieren
• folgt einem einfachen System
• ermöglicht risikoadjustiertes Investieren in die Wirtschaft (Aktien) und Teilhabe am Wachstum
• nutzt mit ETFs transparente und kostengünstige Anlageprodukte
• minimiert Kosten durch Vermeiden unnötiger Transaktionen
• vermeidet Interessenkonflikte zwischen Anleger und Berater
• minimiert die Notwendigkeit, neu entscheiden zu müssen.

Damit ist Passives Investieren besonders für Anleger geeignet, nicht ständig um Ihre Anlage kümmern und für alle, die lieber eine kluge Strategie verfolgen statt kurzfristigen Erfolgen nachzujagen (Hase und Igel).

Welche Fragen haben Sie zum Passivem Investieren?

 

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