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Vermögensanlage: Keep it simple

Die Welt der Vermögensanlage sieht kompliziert aus. So dachte ich, als ich letzte Woche in ungewohnter Zuschauerrolle eine Podiumsdiskussion zu meinem Thema verfolgte. Dabei lassen sich selbst anspruchsvolle Inhalte, einfach vermitteln. Einer, der diese Kunst beherrscht, war Teilnehmer der Diskussion: Professor Walz, Autor des Buches „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen“.  Lassen Sie uns etwas Licht ins Dickicht des Finanzwaldes bringen.

 

Den Wald trotz lauter Bäumen sehen

Der Heidelberger Business Club hatte geladen. Vier Finanzberater und ein Professor beantworteten Fragen einer Moderatorin vor ca. 90 Zuhörern. Es ging um Immobilien, Aktien, Diamanten, Riester-Verträge, Fonds, synthetische und physische ETFs und Bausparverträge. Die Meinungen gingen – wie unter Experten üblich – auseinander. Da machte der Professor eine wichtige Unterscheidung, die zwischen Anlageklassen und Anlagevehikeln. Hartmut Walz von der Hochschule Ludwigshafen gab damit den Zuhörern eine wichtige Hilfestellung, wie sie den Wald, trotz der vielen Bäume, erkennen.

Finanzprodukte sind Anlagevehikel, entscheidend ist, welche Anlageklassen drin sind.

 

Anlageklassen und Anlagevehikel

In Anlageklassen können Anleger – falls Sie das nötige Kleingeld besitzen – direkt anlegen. Dazu gehören (in Klammern ein Beispiel):

  • Cash (Bargeld)
  • Gläubigerpapiere (Anleihen)
  • Unternehmensbeteiligungen (Aktien)
  • Immobilien (Mietshaus)
  • Edelmetalle (Gold)
  • Rohstoffe (Öl)
  • Fremdwährungen (US-Dollar)
  • Finanzderivate (Option)
  • Exotische Anlagen (Kunst)

Anlagevehikel sind die Verpackungen in denen diese Anlageklassen angeboten werden:

  • Einlagenkonten (Sparkonto, Tagesgeld, Prämien-Sparen …)
  • Bausparverträge
  • Kapitallebensversicherungen
  • Altersvorsorgeprodukte (Riester, Rürup, BAV, fondgebundene Versicherungen)
  • Investmentfonds
  • Zertifikate
  • Beteiligungen
  • Und vieles mehr

 

Die Anlageklassen sind es, auf die wir uns konzentrieren. Denn wer wissen will, was aus einer Anlage rauskommt, muss wissen, was drin ist. Denken wir uns also erst einmal die Verpackungen weg.

 

Nur drei Anlageklassen besitzen einen Motor

Der Motor jeder Anlage sind die Erträge. Wir unterscheiden im Wesentlichen diese drei Arten von Erträgen:

  • Zinsen
  • Mieten
  • Gewinne

Anleihen haben Zinsen, Immobilien bringen Mieten und Aktien erwirtschaften Gewinn, den sie zum Teil ausschütten (Dividende). Daneben ist es möglich, durch den Kauf und Verkauf zusätzlich Gewinne, aber auch Verluste, zu realisieren. Das hängt im Wesentlichen von Angebot und Nachfrage ab, also der Antwort auf die Frage: Zu welchem Kurs oder Preis ist ein anderer bereit, mir meine Anlage abzukaufen?

Den restlichen Assetklassen fehlen intrinsischen Erträge. Die Rendite von Anlagen in Edelmetallen, Rohstoffen oder Fremdwährungen bestimmt sich rein über die Veränderungen der Kurse. Eine originäre Ertragsquelle gibt es nicht.

„Nur Aktien, Immobilien und Anleihen besitzen intrinsische Erträge.“ Prof. Hartmut Walz

 

Warum die Anlageklassen so wichtig sind

Nutzen Sie den Pareto-Effekt. Er besagt, dass 80 % der Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Übertragen auf Vermögensanlage bedeutet das:

Pareto-Prinzip: 80 % des Anlageerfolgs wird durch die Wahl und Kombination der Anlageklassen bestimmt.

 

Da es nur neun Anlageklassen, aber Millionen von Finanzprodukten gibt, vereinfacht das die Sache erheblich.

Alle die Dinge, die Anleger üblicherweise für sehr bedeutsam halten, tragen in Wahrheit viel weniger zum Erfolg bei, als wir glauben. Dazu gehören:

  • Den richtigen Zeitpunkt für Kauf und Verkauf zu finden (Market-Timing)
  • Die richtige Selektion von einzelnen Werten (Stock-Picking)

Für den langfristigen Erfolg ist es entscheidend, Assetklassen in der richtigen Gewichtung zu kaufen und zu halten (Buy and Hold) und dabei das wichtigste Prinzip der Anlage einzuhalten: Risikostreuung (Diversifikation).

 

Einfach und wirkungsvoll

Stellen Sie sich vor, Sie müssen zwischen zwei Anlagen entscheiden, deren Chance und Risiko Sie nicht einschätzen können? Wie würden Sie vorgehen?

Wer die Chance im Blick hat würde womöglich alles auf eine Karte setzen, doch wer das Risiko begrenzen möchte, würde wohl intuitiv das Kapital zu gleichen Teilen auf die Anlageklassen verteilen. Dies nennen Wissenschaftler „naive Diversifikation“. Damit ist das Risiko, mit einer der Anlagen schief zu liegen, soweit möglich reduziert. Die Grundüberlegung lautet: Wenn man Anlagen mischt, die sich unterschiedlich verhalten (steigt A, fällt B), gleichen sich Risiken aus. So ist zu beobachten, dass in Krisenzeiten Anleger verstärkt Anleihen kaufen und Aktien meiden. In Boom-Zeiten ist es umgekehrt. Aktien und Anleihen verhalten sich oft gegenläufig – genau das was wir suchen, um Schwankungen zu reduzieren.

Nach dem Prinzip der naiven Diversifikation ergeben sich folgende einfache Portfolien mit mindestens zwei, wahlweise drei oder vier Anlageklassen:

  1. 50% Aktien + 50 % Anleihen
  2. 33 % Anleihen + 33% Immobilien + 33% Aktien
  3. 25% Anleihen + 25 % Immobilien + 25% Aktien + 25 % Gold oder Rohstoffe*

*Obwohl Gold und Rohstoffe keinen intrinsischen Ertrag besitzen, kann ihre Beimischung zu Risikoreduktion führen, wenn sie sich anders verhalten als die anderen Anlageklassen.

Das ist übrigens gar nicht so naiv, wie der Name klingt. Der große Vorteil ist, dass es einfach zu verstehen und einfach umzusetzen ist und dem wichtigsten Grundprinzip des Anlegens entspricht: konsequenter Risikostreuung. Entscheidend ist es Anlageklassen miteinander zu kombinieren, die möglichst wenig korrelieren (gleichlaufen).

Diese Betrachtung ist allgemein. In der Praxis ist es sinnvoll, das Risiko, des Portfolios und damit die Mischung der Anlageklassen (Asset-Allokation) dem individuellen Risikoprofil des Anlegers anzupassen.

 

Einfach umzusetzen

Schön und gut werden Sie sagen. Doch welches Anlagevehikel soll ich wählen? Die wenigsten haben das Kapital direkt und breit gestreut in Aktien, Anleihen oder Immobilien zu investieren. Auch hier gibt es eine einfache Lösung: offene Investmentfonds (die heute korrekt, aber sperrig, „Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren“ (OGAW) heißen).

Mit Hilfe von Investmentfonds ist es heute jedem möglich, bereits für Beträge unter 100 Euro, sogar als Sparplan in ganze Anlageklassen zu investieren. Die Fonds bündeln das Geld der Anleger und legen es weltweit an. Jedem Anleger gehören ein Bruchteil des Vermögens und er hat Anspruch auf seinen Bruchteil am Ertrag.

Drei Gründe, warum sich Investmentfonds sind für Privatanleger als Anlagevehikel anbieten:

  • Mit Investmentfonds lässt sich in ganze Anlageklassen anlegen und sehr breit diversifizieren.
  • Sie sind liquide, so bleibt der Anleger jederzeit handlungsfähig.
  • Sie bieten besonderen rechtlichen Schutz (Sondervermögen schützt Anlegergelder bei Konkurs der Fondsgesellschaft vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters).

Da die Assetklassen 80% des Anlageerfolgs bestimmen, kommt es beim Anlagevehikel vor allem darauf an, keine Fehler zu begehen. Die meisten Anlagevehikel sind teure Verpackungen, die uns Anlegern die Assetklassen in immer neuen Mischungen und Formen verkaufen. Doch das ist einen eigenen Beitrag wert. ETFs sind besonders kostengünstige Investmentfonds.

 

Verleihen, Investieren oder Spekulieren?

Anlagevehikel könnte man auch von Anlage-Werkzeugen sprechen. Wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, es richtig einzusetzen.

Grundsätzlich können wir Geld – außer es auszugeben –

  • Verleihen
  • Investieren
  • oder damit spekulieren.

Wer Geld verleiht ist Gläubiger und hat einen schuldrechtlichen Anspruch auf Rückzahlung des geliehenen Geldes zur Fälligkeit. Entscheidend für die Sicherheit der Anlage ist die Qualität des Schuldners. Denn fällt dieser aus, ist der Rückzahlungsanspruch wertlos. Dafür, dass wir jemandem Geld leihen erwarten wir eine Gegenleistung, den Zins. Typisch sind Bankeinlagen oder Anleihen.

Je länger wir das Geld verleihen und je schlechter die Bonität des Schuldners, umso höher sollte der Zins sein. So die normale Erwartung. Seit der Finanzkrise ist diese Logik weitgehend außer Kraft gesetzt dadurch, dass die Notenbanken massiv in den Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage eingreifen. Es bleibt abzuwarten, wie lange dieses Phänomen noch anhält.

Wer Geld investiert in Immobilien oder Unternehmen hat keinen schuldrechtlichen Anspruch. Es gibt niemandem, der Ihnen beim Kauf einer Immobilie diese wieder zu einem Fixpreis zurücknimmt. Chancen und Risiken und die Verantwortung liegen alleine beim Eigentümer. Die Renditeerwartung muss folglich höher sein, als Ausgleich für dieses Risiko.

Vermietete Immobilien können Sie auch als unternehmerische Beteiligung verstehen. Denn der Mietertrag kommt nicht von selber. Wer erfolgreich eine Immobilie vermietet muss viele Dinge tun, die ein Unternehmer auch tun muss: Mieter suchen, Anzeigen schalten, verhandeln, Verträge schließen, instandhalten, renovieren und kalkulieren.

Spekulieren lässt sich mit jeder Anlageklasse. Es kommt auf die Haltung an.

Ein Spekulant setzt darauf, dass ihm ein anderer (Dummer) seine Anlage zu einem höheren Preis/Kurs abkauft als er bezahlt hat. Anlagen mit hohen Kursschwankungen ziehen Spekulanten stärker an (Aktien, Derivate, Fremdwährungen).

 

Keep it simple

Lassen Sie sich von der Vielfalt der Anlageformen und Produkte nicht verwirren. Fokussieren Sie sich auf die Anlageklasse, deren Gewichtung und darauf Fehler zu vermeiden. Es ist nicht notwendig, dass Sie Experte für Finanzmärkte werden, um erfolgreich anzulegen. Konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, wo Sie Experte sind, auf Ihr Leben. Und suchen Sie eine Anlage, die Ihre Ziele und Bedürfnisse am besten unterstützt.

 

Mein Lese-Tipp: Prof. Hartmut Walz „Einfach genial entscheiden in Geld- und Finanzfragen

 

 

3 populäre Irrtümer zu Risiko, die Anlegern teuer zu stehen kommen

3 populäre Irrtümer zu RisikoSie sind Anleger und suchen Sicherheit? Sie wollen Risiken vermeiden? Dann sollten Sie die drei gängigsten Irrtümer zu Risiko kennen. Sie haben damit zu tun, wie wir Risiko wahrnehmen. Doch können wir uns wirklich auf unsere Wahrnehmung verlassen? In drei Beispielen haben Sie hier die Gelegenheit, zu überprüfen aus welcher Perspektive Sie Risiken wahrnehmen und teure Fehler zu vermeiden.

 

Können wir unseren Sinnen trauen?

Als Wahlpfälzer liebe ich guten Wein. Ein Erlebnis hat mich nachdenklich gemacht. Bei einem Winzer im Rheingau habe ich am eigenen Leib erfahren, wie sehr Licht und Farbe meinen Geschmack von Wein beeinflussen. Obwohl mein Verstand wusste, dass ich wiederholt den selben Wein trank, schmeckte er – je nach Farbe im Raum – ganz unterschiedlich:

  • Blaues Licht – Wein schmeckt wie Wasser
  • Rotes Licht – Wein schmeck gehaltvoll und schwer
  • Weißes Licht – Wein schmeckt leicht

Kann ich meinen Geschmacksnerven noch trauen?

Was wir wahrnehmen hängt davon ab, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Zauberkünstler nutzen geschickt unsere eingeschränkte Wahrnehmung, um uns vom wahren Geschehen abzulenken.

Sicherlich kennen Sie Kippbilder. Je nachdem worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten, sehen Sie zwei unterschiedliche Bilder. Beide sind wahr.

Könnte es sein, dass wir als Anleger auch blinde Flecken haben und wesentliche Punkte übersehen?

Ich lade Sie ein: Prüfen Sie Ihre Wahrnehmung als Anleger. Wie wir Risiko wahrnehmen.

 

  1. Für meine Sicherheit, riskier ich alles

Wenn uns die Angst packt, verhalten wir uns irrational. Nach dem Terroranschlag auf die Türme des World-Trade-Centers 9/11 haben die New Yorker Flugzeuge gemieden und sind auf die Straße ausgewichen. Experten schätzen, dass dieses Verhalten 1.600 Menschen das Leben gekostet hat, da beim Autofahren mehr Menschen je km sterben als beim Fliegen.

Nach der Finanzkrise 2008 haben einige Anleger aus Angst vor Bankenpleiten Ihr Erspartes abgehoben und zu Hause unter das Kopfkissen gelegt. Bei jährlich 150.000 Wohnungseinbrüchen, keine gute Idee, selbst wenn sie glauben, das Geld clever versteckt zu haben.

„Wir sind zu jedem Risiko bereit, von dem wir glauben, dass es unsere Sicherheit erhöht.“ Weidner, Wolfram

Uns Menschen geht es wie dem Reh, das auf der Flucht vor dem Adler dem Wolf in die Arme läuft. Natürlich ist es schwer, in akuter Gefahr einen klaren Kopf zu bewahren. Doch viele Anleger machen ähnliche Fehler schon aus lauter Vorsicht und Angst vor möglichen Risiken.

 

Unterschätztes Risiko

Obwohl im Verkehr Ungewissheit herrscht und viele Gefahren lauern, wagen wir uns täglich auf die Straße. Oder haben Sie schon mal von Dauerparkern gehört, die sich über Jahre nicht vom Parkplatz wagen, weil Ihnen der Verkehr zu hohe Risiken birgt? Beim Geldanlegen jedoch gibt es viele Dauerparker.

Die Parkplätze für Anleger heißen Sparbuch, Tagesgeld oder Termingeld. Über einer Billion Euro liegen auf solchen Park-Konten. Ein Großteil davon Dauerparker, die sich seit der Finanzkrise 2008 – dem 9/11-Ereignis der Finanzen – nicht mehr vom Parkplatz trauen. Dabei haben sie nicht nur die Kursanstiege von Aktien und Immobilien verpasst, sondern auch Ihr Ziel Sicherheit nur scheinbar erreicht. So wie ein Auto, dass nur auf dem Parkplatz steht, an Wert verliert, so verlieren die Einlagen der Sparer an Kaufkraft. Die schleichende Inflation sieht harmlos aus, hat aber seit 2008 – trotz niedriger Inflationsraten – jedem Euro zehn Prozent der Kaufkraft genommen.

Wir unterschätzen wie nachhaltig schleichende Inflation wirkt. Die EZB strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent im Jahr an. Was das zwei Prozent Inflation bedeuten,  sehen Sie hier:

Was nominell in Euro sicher aussieht bedeutet real in Kaufkraft einen sicheren Verlust. Mit einem Inflations-Rechner können Sie Szenarien selber rechnen.

„Wir überschätzen immer den Wechsel, der in den nächsten zwei Jahren geschehen wird und unterschätzen den Wechsel, der in den nächsten zehn Jahren passieren wird. Lassen Sie sich selbst nicht von Nichtstun einlullen.“ Bill Gates

Schleichende Risiken gibt es nicht nur bei der Geldanlage. Mangelnde Bewegung, falsche Ernährung, schlechte Gewohnheiten – stets gilt: Kleine Ursache, große Wirkung mit der Zeit. Ob das Inflations-Risiko für Sie relevant ist, hängt von Ihrem Anlagehorizont ab, das ist der Zeitraum, den Sie überblicken können. Ein Anleger, der das Geld in zwei Jahren braucht, muss sich nicht um Kaufkraftverlust sorgen. Ein Anleger, der langfristig Vermögen aufbaut oder für den Ruhestand vorsorgt, begeht einen teuren Fehler, wenn er die Inflation ignoriert.

Langfristig ist das Geld auf dem Sparbuch alles andere als sicher.

 

FAZIT: Ohne Zinsen ist Geld auf dem Sparkonto schutzlos der Inflation ausgeliefert und verliert an Kaufkraft. Was kurzfristig sicher ist, ist langfristig in Gefahr.

 

Überschätztes Risiko

Genau andersherum ist es bei Aktien. Sie können kurzfristig erheblich schwanken. Ein Risiko, dass Anleger mit kurzfristigem Anlagehorizont zu Recht meiden. Der Kauf von Aktien auf kurze Sicht ist Spekulation.

Die Perspektive ändert sich, wenn das Geld längerfristig arbeiten kann. Je länger das Geld investiert ist, je unwahrscheinlicher ist es, dass ein Verlust entsteht. So hätten bisher alle Anleger, die Ihr Geld in den Weltaktienindex MSCI World investiert hätten, spätestens nach fünfzehn Jahren mit Gewinn verkaufen können.

Daten der Vergangenheit sind keine Garantie für die Zukunft. Aber der beobachtete Effekt ist plausibel, addieren sich Risiken nicht einfach, sondern heben sich zum Teil auf. So gleichen sich ein Teil der Kurs-Schwankungen nach unten und oben mit der Zeit aus. Der Effekt wird noch verstärkt, wenn die Anlage nicht zu einem Zeitpunkt, sondern zeitlich verteilt getätigt wird. Dies ist bei Sparplänen mit gleichbleibenden Raten der Fall (Cost-Average-Effekt).

FAZIT: Das Risiko mit Aktien Verlust zu machen sinkt, je länger Sie investiert sind. Diese Aussage gilt nur, wenn Sie den ganzen Aktienmarkt betrachten. Wer in Einzelwerten investiert geht ein höheres Risiko ein. Investmentfonds ermöglichen es selbst Kleinanlegern, weltweit zu streuen.

Aktien sind langfristig viel sicherer als viele Anleger denken.

 

  1. Verschiedenheit als Chance, Risiko zu reduzieren

Wer von einer Sache überzeugt ist, neigt dazu alles auf diese Karte zu setzen. Das ist riskant. Denn geht die Sache schief, sind die Auswirkungen groß. Das gilt selbst für relativ sichere Anlagen wie Immobilien. Nicht umsonst setzt sich das Bundeskabinett niemals in einen Flieger und der amerikanische Vizepräsident nie zum Präsidenten in die Airforce Nr.1. Keiner will einen Totalausfall riskieren.

Risiken zu verteilen, ist der beste Schutz und erhöht die Sicherheit. Bei der Geldanlage spricht man von Diversifikation. Das Prinzip ist bekannt unter dem Motto „Lege nie alle Eier in einen Korb“. In der Praxis streuen Anleger Risiken oft unzureichend. Der Diversifikations-Effekt tritt nur ein, wenn die Anlagen so verschieden sind, dass die Kurse sich nicht im Gleichklang bewegen (Korrelation). Im Idealfall heben sich die Kursbewegungen gegenseitig auf. So ist zu beobachten, dass Anleger in Krisenzeiten Aktien verkaufen und in Renten (Anleihen) umschichten. Eine Flucht in die Sicherheit. Beruhigt sich die Lage, stehen eher die Chancen im Fokus und das Geld fließt in die Aktien. Eine Mischung aus Aktien und Renten reduziert die Schwankungen, und Verluste der einen Anlage werden (zum Teil) durch Gewinne der anderen Anlage kompensiert.

Geld zu investieren bringt mehr, als es zu verleihen

Auf lange Sicht haben Aktien deutlich höhere Renditen erzielt als Renten. Dieser Effekt ist langfristig messbar, wenngleich nicht zu jeder Zeit., So gibt es immer wieder Phasen (Crash, Baisse) wo es zeitweilig andersherum läuft. Wer jedoch einen langen Atem hat, kann diesen Effekt nutzen und die „Aktien-Prämie“ erzielen. So haben Wissenschaftler die Differenz zwischen der Aktien- und der Renten-Rendite getauft.

Wer langfristig in den Aktienmarkt investiert verdient eine Aktien-Prämie.

 

FAZIT: Wer Aktien Renten beimischt reduziert die Schwankungen seines Depots. Wer Renten Aktien beimischt erhöht langfristig seine Rendite.

 

  1. Wenn am Ende des Geldes noch Leben übrig ist

Wird eine Lebensversicherung fällig stellt sich die Frage: Kapital oder Rente?

Pfiffige Rechner nehmen die Zahl der jährlich in Aussicht gestellte Rente und teilen das Kapital durch die Jahresrente. Manch einer kommt zum Schluss, dass sich die Rente nicht rechnet. Wer das Kapital nimmt und sich laufend Kapital in Höhe der Rente entnimmt kommt einige Jahre damit aus. Erst danach wäre die Rente günstiger. Es folgt meist der Satz: „Wer weiß, ob ich überhaupt so lange lebe?“

Der frühe Tod wird als Risiko gesehen. Doch ist das wirklich Ihr Problem? Sollten Sie sich nicht vielmehr Gedanken machen, was passiert, wenn Sie lange leben?

Wer lange lebt, braucht lange Geld. Unterschätzen Sie nicht Ihr Langlebigkeitsrisiko.

 

Und genau dieses Risiko nimmt Ihnen, wenn Sie das möchten, eine Versicherung ab. Dank vieler Versicherten kann sie eine Mischkalkulation anstellen. Versicherungen nutzen das Prinzip der Risikostreuung. Dank vieler versicherter Personen können sie mit statistischen Durchschnittswerten rechnen, während für den Einzelnen nur seine individuelle Lebenszeit relevant ist.

FAZIT: Bedauern Sie nicht, zu Lebzeiten nicht alles Geld ausgegeben zu haben. Machen Sie sich besser Gedanken über das finanzielle Risiko, eines langes Leben finanzieren zu müssen.

 

Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihr eigentliches Problem

Stellen Sie die richtigen Fragen:

Lohnt es aus Angst vor einem Risiko ein viel Größeres einzugehen?

Haben Sie ein kurzfristiges Sparziel oder ein langfristiges Ziel und einen langen Anlagehorizont?

Welche Auswirkung hätte der Ausfall einer Anlage für Sie?

Haben Sie Ihre Risiken ausreichend gestreut (diversifiziert), so dass Risiken kompensiert werden?

Sind Sie in der Lage, auch ein langes Leben zu finanzieren?

 

Welches Risiko beschäftigt Sie? Wie lautet Ihre Frage?

 

Mythos Finanzprodukte

Bei Geld: Sparkasse, bei Finanzproblemen: Finanzprodukte und bei Krankheit: Pillen. Die Werbung hat uns auf ihre Lösungen konditioniert.

Wie finde ich das richtige Finanzprodukt?

Dies halten viele für die wichtigste Frage, wenn Sie ein Finanzproblem umtreibt. Wir haben schließlich gelernt, dass Finanzprodukte Finanzprobleme lösen. So wie Medizin Krankheiten heilt. So wurde es uns gesagt. So hören wir es immer wieder. Das sagen alle. Dann muss es stimmen – oder? Schauen wir näher hin.

Finanzprodukte sind Verpackungen von Lösungen.

Finanzprodukte funktionieren, wie andere Markenprodukte. Da sie abstrakt sind, sind sie schwerer zu begreifen. Eine einfache Lösung für dieses Problem fand vor einigen Jahren die Deutsche Bank. Sie bot in Ihrer Experimentierfiliale Q110 in Berlin Fondssparpläne in der Dose an. Voll Hoffnung, das abstrakte Produkt, haptisch erlebbar zu machen. Die Idee hat sich nicht durchgesetzt. Es war wohl doch nicht so einfach.

Abstrakte Produkte haben auch Vorteile: Das was ich nicht sehen und anfassen kann, regt meine Phantasie an. Schließlich kommt es für den Verkauf weniger darauf an, was ich konkret kaufe, sondern, was ich damit verbinde. Wir kaufen keine Autos mehr, sondern Prestigeobjekte, Live-Style, den Traum von Freiheit … Je mehr er unsere Phantasie anregt, umso besser für den Verkäufer. Mit Finanzprodukten kaufen wir

  • Renditewünsche
  • Sicherheit
  • Komfort
  • Status
  • Trends
  • gutes Gewissen (Vorsorge)
  • sofortige Erfüllung von Konsumwünschen …

Überlegen Sie sich im Vorfeld, welches Problem Sie lösen wollen. Brauchen Sie lediglich ein gute Anlage? Dann reicht ein Investmentfonds. Oder suchen Sie eine Prestigelösung? Dann muss es wohl mindestens eine Vermögensverwaltung oder ein Hedgefonds sein.

 

Finanzprodukte sind Lösungen, …

Dass Finanzprodukte Lösungen sind, macht sie längst noch nicht für jedes Problem geeignet. Einige lösen nur sehr spezielle Probleme. So gibt es Millionen von Zertifikaten, von denen jedes eine sehr spezielle Lösung für ein sehr spezielles Problem ist. Wie viele Wertpapiere haben Sie in Ihrem Depot, deren Namen Sie kaum aussprechen können? Können Sie sagen, welches Problem diese Wertpapiere für Sie lösen?

… doch nicht jede Lösung ist ein Finanzprodukt.

Dass es nicht immer eines Finanzproduktes bedarf, diese Erfahrung mache ich immer wieder in der Finanz-Planung. Einige Beispiele:

  • In einem Crash hilft schon eine „Stopp-Loss“-Order Verluste zu begrenzen.
  • Bei Kreditbedarf ist zu prüfen, ob es nicht besser wäre Anlagen zu verkaufen.
  • Bei Risikovorsorge ist zu prüfen, welche Risiken überhaupt gefährlich sind. Können Sie den Schaden verkraften? Oder bedroht er Ihren Lebensstandard? Wollen Sie wirklich für geringe Risiken ein Leben lang Versicherungsprämie bezahlen?

Für die Absicherung im Todesfall gibt es nur ein einfaches Produkt, die Risikolebensversicherung. Sie kostet wenig und bringt Finanzberatern nur wenig Provision, weshalb sie vergleichsweise selten empfohlen wird. Lieber verkaufen Vertreter von Versicherungen Kapital-Lebensversicherungen oder Fonds-Lebensversicherungen. Kombiprodukte, die schlagen gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe“. Das verspricht mehr Provision, hat für Sie als Verbraucher aber auch Nachteile. Zwei unabhängige Verträge ermöglichen unabhängige Entscheidungen. Sie können einen Vertrag kündigen und den anderen weiter laufen lassen. Bei Kombiprodukten heißt es dagegen, ganz oder gar nicht.

Vollmachten, Testament oder andere Verfügungen sind wichtige Instrumente für den Todesfall, ohne Finanzprodukte zu sein. Leider gibt es Geschäftsleute, die es versäumen eine Vollmacht für Ihr Konto zu erteilen. Im Todesfall oder noch schlimmer, wenn sie im Koma liegen, kann niemand verfügen. Die Familie und Arbeitnehmer sind handlungsunfähig. Völlig verantwortungslos. Ich bin mir sicher. Wäre die Vollmacht ein Finanzprodukt mit Provision, dann hätte sie jeder. Doch leider kostet die Einrichtung einer Vollmacht die Bank nur Zeit und Aufwand.

 

Interessenkonflikte verhindern gute Lösungen

Ein solcher Konflikt kommt im folgenden Beispiel zum Ausdruck: Ein Ehepaar mit einer Baufinanzierung erbt einen fünfstelligen Betrag. Was empfiehlt die Bank? Wertpapiere, Vorsorgeprodukte, Bausparen … Eines empfiehlt die Bank mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht: den Kredit zurückzuzahlen. Schließlich würde sie sich ins eigene Fleisch schneiden. Die Kreditmarge würde wegfallen, ebenso die Chance auf zusätzliche Provisionseinnahmen. Ein klassischer Interessenkonflikt.

Deshalb ist es so wichtig, dass Finanzplaner unabhängig sind. Ein Verkäufer von Finanzprodukten wird immer seine Finanzprodukte als Lösung ansehen – frei nach dem Motto:

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Paul Watzlawick

 

Suchen Sie also nicht nach dem richtigen Finanzprodukt, sondern nach der richtigen Lösung.

Auf die Mischung kommt es an

Bei Finanzentscheidungen kommt es viel weniger auf das richtige Finanzprodukt an, als Sie glauben.

Ein Beispiel sind Wertpapieranlagen mit Aktien. Viele denken entscheidend sei es, die richtige Aktie auszuwählen (unterbewerte Aktien). Andere glauben, dass es auf den richtigen Kaufzeitpunkt ankommt (Chartsignal). Diese beiden Faktoren spielen jedoch langfristig kaum eine Rolle (zumindest, wenn Sie nicht hopp oder top spielen, sondern eine ausreichende Risikostreuung beachten). Dann ist der alles entscheidende Faktor die Zusammensetzung Ihres Portfolios: Wie hoch ist der Anteil an Aktien? Sind die Werte möglichst unabhängig voneinander?

Dies ist wissenschaftlich erwiesen. Gute erklärt ist das in diesem Artikel von Just-ETF.

Das wichtigste für eine gute Lösung ist das Ziel

 

 „Das Problem zu erkennen, ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung.“ Albert Einstein

Um Ihr Problem zu beschreiben, ist es nicht erforderlich, dass Sie Finanzexperte sind. Unbestreitbar sind Sie jedoch die Expertin / der Experte für Ihr Problem oder positiv ausgedrückt Ihr Ziel. Keiner kann besser beschreiben, was Sie suchen, wie Sie. Der Finanzexperte ist Experte für die Lösung, die oft ein Finanzprodukt ist. So geht ein Dialog auf Augenhöhe.

Finanzprodukte erfüllen oft Wünsche, statt Probleme zu lösen. Sowohl Kunden wie Berater investieren zu wenig Zeit in die Problembeschreibung. Statt ein konkretes Ziel zu formulieren, äußern  Kunden Wünsche. Was ist der Unterschied?

 

Was ist ein Wunsch?

Reich oder glücklich zu sein, sind Wünsche. Jeder kann sich etwas Anderes darunter vorstellen. Keiner weiß, was es konkret bedeutet. Wann sind Sie reich? Wann empfinden Sie Glück?

Was ist ein Ziel?

Ich hatte mal einen sehr begabten jungen Mitarbeiter mit einem ausgeprägten Gefühl für Menschen. Er war als Kundenberater im Private Banking tätig. Da bekam ich folgendes Gespräch mit (noch zu DM-Zeiten):

Herr Meier (so hieß der Berater) begrüßte den Kunden, Herrn Richter. Ein Unternehmer, der sich mittlerweile aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hatte und der sich nun mit Hingabe seiner Depotanlage widmete. Sehr zur Freude der Bank.

Die beiden besprachen das Depot, als Herr Richter plötzlich unvermittelt fragte: „Herr Meier, sagen Sie mal, ab wann ist man eigentlich vermögend?“

Statt eine Diskussion über den Begriff „vermögend“ anzufangen oder auszuweichen – wie es manch einer getan hätte – sagte Herr Meier nur:

„Lassen Sie mich mal darüber nachdenken.“ Er schaute auf den Depotauszug mit 415.000 DM und antwortete dem Kunden:

„Herr Richter, ich würde sagen mit 500.000 DM. Dann sind Sie vermögend.“

Was glauben Sie was Herr Richter erwiderte?

Er antwortete mit einem Strahlen: „Herr Meier, ich glaube wir haben ein Ziel!“

Ein Ziel ist konkret. Ein Ziel gibt Orientierung. Ein Ziel zu haben, weckt Energie.

 

Wichtiger als die Frage „Wie finde ich das richtige Finanzprodukt?“ ist die Frage „Wie finde und definiere ich mein Ziel?“ Hierauf Zeit und Sorgfalt zu verwenden, ist keine Zeitverschwendung sondern die beste Investition in eine gute Lösung.

„Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg“ (Lao-tse)

 

Fazit

Auf die Reihenfolge kommt es an. Das Finanzprodukt, kommt am Schluss. Wer diese drei Schritte überspringt läuft Gefahr ein „schickes“ Produkt zu kaufen, dass ihm nicht weiterhilft. Schauen Sie mal nach, vermutlich haben Sie einige solcher Produkte in Ihrem Besitz.

  1. Definieren Sie Ihr Ziel
  2. Erstellen Sie ein Konzept und prüfen Sie, ob Sie dazu ein Finanzprodukt brauchen
  3. Legen Sie die Kriterien fest nach denen Sie das Produkt auswählen

 

In Abwandlung eines Slogans eines großen schwedischen Möbelhauses frage ich Sie:

Glauben Sie noch an Finanzprodukte oder denken Sie schon in Lösungen?