Fünf populäre Irrtümer über Investmentfonds

Deutsche Anleger suchen Sicherheit. Sie lieben Einlagenprodukte, Lebensversicherungen und Garantieprodukte. Und das obwohl diese sich seit Jahren kaum mehr verzinsen. Wer Rendite sucht kommt als Privatanleger an Investmentfonds nicht vorbei. Doch viele wissen zu wenig darüber. Einige Irrtümer sind populär und halten sich nachhaltig. Lassen Sie uns damit aufräumen, denn Wissen schadet nur dem, der es nicht hat.

 

WISSEN IST GELD

Von den sieben aufgeführten Thesen sind nur zwei richtig und fünf falsch. Testen Sie Ihr Wissen und beantworten die Frage: Welche zwei Aussagen sind richtig?

  1. Fondspreise werden nicht durch Angebot und Nachfrage gebildet
  2. Wer günstige Fonds sucht, sollte auf die Ausgabeaufschläge achten
  3. Auf den Fondsmanager kommt es an
  4. Erfolgsprämien motivieren Fondsmanagern zu besseren Leistungen
  5. Passive Fonds (ETFs) haben keinen Fondsmanager
  6. Fonds genießen als „Sondervermögen“ besonderen rechtlichen Schutz
  7. Es ist besser, nicht alles Geld auf einmal anzulegen

 

Die Auflösung finden Sie ganz unten am Artikel und die Begründung in den Anmerkungen zu jeder Behauptung.

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Fonds ist nicht gleich Fonds.

Wenn in diesem Beitrag von Fonds oder Investmentfonds die Rede ist, handelt es sich um sogenannte offene Investmentfonds (Fachausdruck OGAW). Die Ausgabe neuer Anteile ist nicht limitiert. Davon zu unterscheiden sind Beteiligungen, auch geschlossene Fonds, genannt (Fachausdruck AIF). Mit ihnen beteiligen sich Anleger an konkreten Projekten, meist als Kommanditisten einer KG (Schiffsfonds, Containerfonds, Immobilienfonds …)

 

  1. Fondspreise werden nicht durch Angebot und Nachfrage gebildet

Wir unterscheiden Anlageklassen und Anlagevehikel.

In Anlageklassen, wie Immobilien, Aktien, Anleihen, … können Anleger direkt investieren. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis (Kurs).

Fonds sind Anlagevehikel, mit denen Anleger sich indirekt an Anlageklassen beteiligen. Sie geben ihr Geld dem Fonds, dessen Fondsmanager investieren es in Anlageklassen. Steigt ein Anleger ein, erhält er für sein Geld neu ausgegebene Anteile vom Fonds. Will er wieder aussteigen, kann er diese an die Kapitalanlagegesellschaft zum Tageskurs zurückgeben. Der Kurswert eines Fondsanteils wird indirekt ermittelt durch eine laufende Inventur, deshalb spricht man auch vom Nettoinventarwert.

Wert eines Investmentfondsanteils:

Wert aller vom Fonds getätigten Anlagen + Barvermögen = Nettoinventarwert / Anzahl der ausgegebenen Anteile

FAZIT: Angebot und Nachfrage nach Investmentanteilen beeinflussen folglich nicht direkt den Kurs des Fondsanteils. Das ist anders als beim Kauf einer Aktie oder einer Anleihe.

 

  1. Wer günstige Fonds sucht, sollte auf die Ausgabeaufschläge achten

Frage ich Fondsanleger nach den Kosten ihres Fonds, nennen Sie mir den Ausgabeaufschlag. Statt einer Provision erhebt die Fondsgesellschaft beim Kauf eines Fondsanteils einen Aufschlag auf den Wert eines Fondsanteils. Bei Aktienfonds beträgt dieser meist 3-5% bei Rentenfonds 2-3%.

Die laufenden Kosten hingegen sind den meisten Anlegern nicht bewusst. Sie betragen nach einer Untersuchung von Mark Ortmann bei Aktienfonds im Durchschnitt ca. 3,5 % p.a. Bei langer Haltedauer schlägt der Ausgabeaufschlag kaum ins Gewicht, fällt er doch nur einmalig an. Die laufenden Kosten hingegen belasten Jahr für Jahr die Rendite.

Hohe Ausgabeaufschläge bei Fonds lenken Anleger vom eigentlichen Kostentreiber ab, den laufenden Kosten. Klick um zu Tweeten

Aufgepasst! Bei Dachfonds, das sind Fonds, die in Fonds investieren, fallen zweifach Gebühren an: Auf Ebene des Dachfonds und auf Ebene der Fonds, in die dieser investiert. Ähnlich verhält es sich bei Fondsrenten, hier fallen Kosten für den Versicherungsmantel und Kosten für die Fonds an.

 

  1. Auf den Fondsmanager kommt es an

Menschen vertrauen Menschen. Das wissen die Marketing-Experten der Produktanbieter. Daher werben sie mit erfolgreichen Fondsmanagern, die sie gezielt medial zu Stars aufbauen. Doch der Mythos bröckelt, sobald man hinter die Fassade schaut.

Zunächst einmal wird kein Fonds nur von einem Manager gemanagte, es agieren immer Teams. Zu Werbezwecken stellt das Marketing gern Fondsmanager ins Schaufenster, um den abstrakten Fonds ein Gesicht zu geben.

Anleger vertrauen Menschen, Fondsmanager geben Fonds ihr Gesicht. Geschicktes Marketing bis zum Personenkult. Klick um zu Tweeten

Zahlreiche Studien belegen, aktives Fondsmanagement hält nicht, was es verspricht. Die Performance aktiver Fonds ist überwiegend schlechter als der Markt (als Messlatte dienen Indices). Die hohen Kosten gehen zu Lasten der Rendite. Fest steht, dass jede Transaktion Kosten verursacht, auch wenn sie nicht erfolgreich ist. Kein Wunder, dass immer mehr Anleger auf kostengünstige Indexfonds (ETFs) setzen, diese schneiden im Schnitt besser ab als aktiv gemanagte Fonds.

 

  1. Erfolgsprämien motivieren Fondsmanagern zu besseren Leistungen

Alles eine Frage der Motivation, denken Sie? Wer Fondsmanagern einen Anreiz schafft in Form einer Erfolgsprämie, der bekommt bessere Leistungen. So argumentieren Fondsgesellschaften, die zu den normalen Kosten noch eine „Performance-Fee“ erheben. Schlägt der Fondsmanager in einem Jahr seine selbstgewählte Messlatte (als Benchmark dient ein Index). So erhält die Fondsgesellschaft 10-25% der Mehrrendite quasi als Bonus für besondere Leistungen. Die Sache hat zwei Haken:

  • In Jahren, in denen der Fonds schlechter abschneidet als die Benchmark, enthält der Anleger keine Entschädigung.
  • Es handelt sich um eine asymmetrische Risikoverteilung zu Lasten der Anleger. Fondsmanager können nur gewinnen, ein Anreiz erhöhte Risiken einzugehen und das mit dem Geld der Anleger.

Trotz „Performance-Fee“ schlagen die meisten Fondsmanager den Markt nicht.

 

  1. Passive Fonds (ETFs) haben keinen Fondsmanager

Passive Fonds bilden einen Index nach, statt ihn durch aktives Management schlagen zu wollen. Weitverbreitet ist der Irrtum, dass diese Fonds kein Management besitzen. Selbst Finanzberater höre ich immer wieder sagen: ETFs sind so günstig, weil sie keine Fondsmanager haben.

Richtig ist: Ein ETF ist deshalb relativ günstig, weil kein Ausgabeaufschlag erhoben wird und geringe laufende Kosten anfallen. In den Kosten macht sich positiv bemerkbar, dass weniger Transaktionen getätigt werden. Ein Fondsmanagement wird dennoch benötigt, um die Käufe und Verkäufe durchzuführen, die erforderlich sind, um einen Index nachzubilden. Dies kosteneffizient zu bewerkstelligen, bedeutet gutes Handwerk und ist keinesfalls trivial.

 

  1. Fonds genießen als „Sondervermögen“ besonderen rechtlichen Schutz

Diese Aussage ist richtig und eines der wichtigsten Argumente dafür, dass Privatanlegern bei Fonds gut aufgehoben sind. Alle Anlagen, die ein Fonds mit Anlagegeldern tätigt, sind rechtlich abgesondert vom Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft, die den Fonds anbietet und verwaltet. Relevant wird dies, sollte eine Kapitalgesellschaft bankrottgehen. Wie wichtig das ist, hat die Finanzkrise gezeigt. Das „Sondervermögen“ schützt das Eigentum der Anleger vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters und damit vor dem Worst-Case, bei einer Bankpleite Geld zu verlieren. Es verhindert jedoch nicht, das Kurse schwanken.

 

  1. Es ist besser, nicht alles Geld auf einmal anzulegen

Kennen Sie den Kosten-Durchschnitts-Effekt – auch „Cost-Average-Effekt“ genannt? Wer in einem Sparplan Monat für Monat den gleichen Euro-Betrag anlegt, erhält bei hohen Kursen weniger Anteile für sein Geld als bei niedrigeren. Über die Zeit kauft er so systematisch mehr Anteile bei niedrigeren Kursen und weniger bei hohen. Dieses antizyklische Vorgehen führt zu einem günstigen durchschnittlichen Einstandskurs. Was so plausibel klingt, stimmt nicht immer, es kommt auf den konkreten Kursverlauf an.

Durch den Kauf zu verschiedenen Zeitpunkten verteilt sich das Risiko des Einstiegszeitpunktes. Das macht Sinn, für denjenigen, der mit dem regelmäßigen Kauf von Investmentfonds als Sparplan Vermögen aufbaut. Wer jedoch einen hohen Geldbetrag hat und diesen nicht gleich anlegt, der läuft Gefahr Rendite zu verschenken, wenn Kurse steigen. Dies nennt man Opportunitätskosten. Genau analysiert hat das Gerd Kommer im Beitrag „Die Legende vom Cost Average Effekt“.

In der Praxis hat das Cost-Averiging dennoch einen positiven Effekt: Psychologisch fühlen sich viele Anleger wohler, wenn sie sukzessive investieren.

 

Auflösung: Richtig sind die Thesen 1 und 6

Haben Sie es gewusst? Dann herzlichen Glückwunsch! Die konkrete Begründung finden Sie im Beitrag.